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Achtsames Essen ist nur was für Yogis?

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Das mag auf den ersten Blick so klingen, aber lass dich überraschen, denn es ist tatsächlich ein Thema für uns alle. Ganz besonders, wenn dich die zahlreichen Ernährungsinformationen eher überwältigen statt dir zu helfen. Oder du unsicher bist, was gut für dich ist und was nicht.

Wenn das auf dich zutrifft, dann bist du hier richtig. Und ich erzähle dir die gute Nachricht zuallererst. Denn wenn du im Allgemeinen gesund bist, dann

  • bist du der Schlüssel für die beste Ernährung für Dich selbst,

  • brauchst du keine Kalorien zu zählen,

  • brauchst du dich nicht in komplizierte Abhandlungen über Ernährung einzulesen,

  • musst du dich nicht mehr schlecht zu fühlen, weil du denkst, du hättest dich mal wieder schlecht ernährt,

  • kannst du dich vom Gedanken an eine Diät verabschieden,

  • kannst du ganz einfach das Essen aus Routine, Langeweile oder zur Belohnung hinter dir lassen.

Dein eigenes Körpergefühl, deine Gedanken und dein Verstand sind der Schlüssel dazu. Höre ihnen zu und treffe mit viel Selbstliebe die für dich richtigen Ernährungsentscheidungen, denn Dein Körper weiß, welche Nährstoffe du brauchst, und teilt dir mit, auf was du Appetit hast. Dein Körper weiß, wann du satt bist. Wenn du beim Essen auf dein Körpergefühl hörst, dann isst du immer das Richtige und fühlst dich immer gut nach dem Essen. Genieße das Leben, statt Energie auf Kalorienzählen zu verschwenden. Deine Gedanken zeigen dir, wo du in Routinen feststeckst. Deine Gefühle zeigen dir, wann du dich mit Essen belohnst oder ablenkst.

Es ist also alles schon irgendwie da. Das nun umzusetzen nennt man „achtsames Essen“. Achtsamkeit ist einfach gesagt eine Aufmerksamkeit, die du zum jetzigen Zeitpunkt auf etwas richtest ohne zu bewerten.

Achtsam essen bedeutet also: ich bin mit meiner Aufmerksamkeit beim Essen und sonst ist nichts wichtig! – Die wichtigste Frage, die wir uns stellen sollten, ist zunächst: Warum habe ich eigentlich Hunger?

Die Hungerarten

Es ist wichtig, das zu verstehen, denn darauf basieren die Schritte für die Umsetzung von achtsamem Essen. Für das Hungergefühl gibt es nämlich 6 verschiedene Gründe:

1. Magenhunger: Ein leerer Magen. Das ist das klassische Hungersignal. Der Magen ist leer und knurrt, wie man so schön sagt.

2. Sinneshunger: Das sieht ja lecker aus! Das riecht ja lecker hier! (auch Augen- und Nasenhunger genannt): Wir sehen oder riechen etwas Leckeres und es ist um uns geschehen. Egal, ob wir satt sind – wir möchten zugreifen. Dies ist eine Art von Appetit, der so stark sein kann, dass wir darüber vergessen, dass wir eigentlich satt sind. Du merkst das daran, dass dieser Appetit erst mit dem Sehen oder mit dem Riechen der Speise aufgetreten ist. Hätte der Kollege nicht diese Gummibärchenbox auf dem Schreibtisch stehen, hättest du jetzt gar keinen Appetit auf Gummibärchen. Oder wärst du jetzt nicht an dieser Bäckerei vorbeigegangen, hättest du jetzt nicht Appetit auf einen Donut.

3.Mundhunger: Etwas im Mund haben wollen, etwas schmecken wollen. Überlege, ob du einfach nur etwas im Mund schmecken möchtest? Oder bist du eigentlich satt, isst aber weiter, weil du einfach gerne isst? Dies passiert oft, wenn wir abgelenkt essen, z. B. wenn wir vor dem TV essen. Dann nehmen wir vielleicht die ersten beiden Bissen bewusst im Mund wahr, die anderen aber nicht mehr, und plötzlich ist der Teller leer. Und schon holen wir uns noch eine Portion, obwohl wir eigentlich satt sind. Kennst du das?

4. Zellhunger: Er hilft uns Körpersignale richtig zu deuten. Manchmal zeigt uns der Körper an, ob wir kurzfristig etwas brauchen, z. B. haben wir ein Leistungstief, weil wir etwas unterzuckert sind (niedriger Blutzuckerspiegel) oder wir sind unkonzentriert. Vielleicht brauchen wir nur einen kleinen Snack, also etwas Energie? Oder wir sind müde und haben leichte Kopfschmerzen, da kann es sein, dass wir nur etwas Flüssigkeit brauchen. Oder merkst du, dass du mehr essen möchtest, wenn es im Herbst draußen kälter wird?

5. Herzhunger: Das ist Essen zur Belohnung oder um ein Gefühl zu dämpfen. Du greifst zum Essen aber nicht aus Hunger, sondern weil es da ein Gefühl gibt, was dich dazu treibt. Langeweile, Stress, Einsamkeit oder so etwas Ähnliches?

6. Gedankenhunger: Essen, weil ich denke, dass ich essen sollte, z.B. ich esse, weil jetzt Zeit fürs Abendessen ist. Ich esse ganz viel Gemüse, weil das gesund ist; ich esse abends keine Kohlenhydrate mehr, weil ich sonst nicht abnehme, oder ich esse lieber jetzt eine größere Portion, weil ich abends vielleicht nur noch einen Snack bekomme? Hier essen wir nicht, weil wir Hunger haben, sondern weil unsere Gedanken uns dazu verleiten.

Wenn du mal überlegst, was und wie du heute gegessen hast, wo kannst du dich wiedererkennen? Hast du dich heute mit Essen belohnt? Oder dir spontan ein Eis gekauft, weil es so lecker aussah? Oder in der Kantine den Salat gegessen, weil du gestern im Fernsehen gesehen hast, dass Salat viel gesünder ist, obwohl du lieber die Currywurst genommen hättest?

Wenn du dies für dich erkennen kannst und dein Essverhalten heute hier einordnen kannst, praktizierst du schon Achtsamkeit, denn du beobachtest. Beobachten allein reicht aber nicht, denn beim achtsamen Essen geht es auch darum, auf das, was du beobachtest, beim Essen einzugehen.

Wie mache ich das genau?

Du kannst jederzeit anfangen, das mit diesen Tipps zu üben. Frage dich bei jeder Mahlzeit und bei jedem Impuls, etwas zu essen:

1. Hunger oder Appetit? Was spürst du? Welche Art von Hunger spürst du?

2. Von der verfügbaren Auswahl, worauf habe ich Hunger? Salzig, süß, leichte Kost, vollwertig usw.? Wähle aus, wonach dir ist.

3. Wie viel Hunger habe ich? Beende die Mahlzeit nach der richtigen Menge, nicht erst, wenn du dich komplett voll fühlst.

4. Wie esse ich? Iss langsam und genieße das Essen. Lenke dich nicht ab. Sei ganz präsent im Hier und Jetzt.

Je öfter du übst, desto besser wird es funktionieren.

Wenn du es dir angewöhnst, dir diese Fragen zu jeder Mahlzeit zu stellen, dann lernst du dich richtig gut kennen. Denn je öfter du dir diese Fragen stellst, desto mehr werden diese Fragen zu einer Gewohnheit

Indem du auf die Antworten hörst, gehst du achtsam und liebevoll mit dir um und…

  • wirst gesünder, fitter und leistungsfähiger.

  • empfindest Essen als Genuss und Freude.

  • bekommst ein neues wertschätzendes Körpergefühl.

  • erfährst eine neue Art von Vertrauen in dich und deinen Körper.

  • verbesserst deine Lebensqualität.

  • verminderst Heißhunger-Attacken.

  • verzichtest nicht und befolgst keine strengen Diät-Regeln.

  • wirst auch in anderen Lebensbereichen achtsamer.

Wie du siehst ist achtsames Essen nicht nur etwas für Yogis, jeder kann es anwenden. Möchtest du das mal ausprobieren?

Ich freue mich über Feedback!

Autorin: Silke Gerrath, 14.06.2020

 

 

Kabat-Zinn, J.: Full Catastrophe Living. Bantam Books, New York, 2013

Hanh, T. N., Cheung, L.: achtsam essen achtsam leben. O.W. Barth Verlag, München, März 2016

Bays, J. C.: Achtsam essen. Arbor Verlag, Freiamt im Schwarzwald, 3. Auflage 2014

May, M.: Eat what you love, love what you eat. Am I hungry?Publishing, New York, 2017

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