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Ein Stein kommt selten allein

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Ein Stein kommt selten allein – wie kann die Ernährung helfen?

Es geht um wiederkehrende Harnsteine. Ein wirklich spannendes Thema. Da gibt es nicht nur den einen, sondern ganz verschiedene – sie sehen unterschiedlich aus und hinter jedem verbirgt sich ein menschliches Schicksal. Ein Thema, welches in der heutigen Wohlstandsgesellschaft eine immer wichtigere Rolle einnimmt. In Deutschland leiden etwa 4,7% an Harnsteinerkrankungen, rund 40% der Patienten haben mindestens zwei bzw. über 20% der Patienten sogar drei oder mehr Steinepisoden.

Insbesondere für die Betroffenen, die sich seit Jahren damit quälen, sind oft verzweifelt, da sie nur wenig über die verschiedenen Harnsteine selbst wissen bzw. oft nicht wissen, dass die Ernährung – insbesondere die Flüssigkeitsaufnahme – auf die Entstehung weiterer Harnsteine Einfluss haben kann. In so genannten Harnsteinzentren können die Harnsteine in ihrer Zusammensetzung analysiert werden. Sie sind oft urologischen Praxen angegliedert.

Allgemein gibt es drei große Gruppen von Harnsteinen, die aufgrund ihrer Entstehung unterschieden werden können. Zum einen gibt es Harnsteine, die genetisch bedingt sind, also vererbt wurden. Zum anderen können Steine infolge von Harnwegsinfekten entstehen. Allerdings nehmen den größten Anteil die Steine ein, die aufgrund von erworbenen Stoffwechselstörungen (z.B. Überfunktion der Nebenschilddrüse) entstehen, bei der auch die Ernährung selbst eine wichtige Rolle spielt. Daher sollte insbesondere bei diesen Patienten die Ernährung entsprechend angepasst werden.

Da insbesondere die Flüssigkeitsaufnahme bei allen Harnsteinen eine entscheidende Rolle spielt, werde ich in diesem Beitrag näher darauf eingehen.

Wer viel trinkt, erhöht die Menge des Harns und kann so das Risiko einer erneuten Steinbildung verringern. Dies gilt bei allen Harnsteinen, unabhängig also davon, aus welcher Substanz sie sind.

Wieviel sollte getrunken werden?

  • Mindesttrinkmenge: Diese liegt bei 2,5 bis 3,0 Liter in 24 Stunden, welche bei einer hohen Umgebungstemperatur zum Beispiel im Sommer und bei erhöhter körperlicher Aktivität entsprechend erhöht werden sollte.

  • Zirkadianes Trinken: Das Trinken soll über den Tag verteilt sein. Insbesondere das Trinken vor dem Zubettgehen ist wichtig.

  • Überprüfung der Trinkmenge: Ein Trinkprotokoll, d.h. aufzuschreiben, wann man etwas getrunken hat, kann helfen zu zeigen, ob genug getrunken wurde und hilft gleichzeitig, das Trinkverhalten zu verbessern.

  • Feststellung der ausreichenden Trinkmenge: Über einen 24 Stunden Urin, d.h. es wird über 24 Stunden der Urin gesammelt, kann festgestellt werden, ob die Trinkmenge ausreichend ist, um genügend Urin (2 bis 2,5 Liter) zu produzieren. Dies sollte mit einem Arzt besprochen werden. Man kann auch die Dichte des Harns mit einem Teststreifen bestimmen und so kontrollieren, ob genug getrunken wurde.

Je nachdem aus welcher Substanz der Harnstein besteht, sollten allerdings die Art der Getränke angepasst werden. Daher ist es definitiv sinnvoll zu wissen, aus welcher Substanz der Harnstein besteht.

Die Bildung eines Steins wird auch durch den sogenannten pH-Wert des Urins beeinflusst. Ein niedriger pH-Wert fördert die Entstehung eines Steins (Kristallisation). Je nach Zusammensetzung der Harnsteine, unterscheidet sich der gewünschte Ziel-pH-Wert.

Welche Getränke sollen getrunken werden? – Augen auf beim Mineralwasserkauf

  • Bei Kalziumoxalat-Steinen und Harnsäure- und Zystinsteinen sollte hydrogencarbonatreiches Wasser getrunken werden. Schaut euch das Etikett genau an, ihr findet diesen Wert (HCO3-) auf jeder Mineralwasserflasche. Dieser Wert sollte mindestens über 1500 mg HCO3- / pro Liter liegen.

  • Auch Zitrussäfte (z. B. Orangensäfte) sind besonders geeignet, allerdings sollte hier der Kaloriengehalt beachtet werden und daher nur als Schorle getrunken werden. Diese Getränke beeinflussen den pH-Wert des Urins positiv, er steigt an.

  • Wenn nicht bekannt ist, um welchen Stein es sich handelt, sollten harnneutrale Getränke getrunken werden. Dazu gehören: Leitungswasser, hydrogencarbonatarme Mineralwässer (max. 350 mg HCO3- / pro Liter), Früchte- und Kräutertees.

  • Ungeeignete Getränke bei allen Steinarten sind: Zuckerhaltige Limonaden und Cola, schwarzer und grüner Tee, koffeinhaltiger Kaffee (max. 0,5 l / Tag) und alkoholische Getränke.

Wenn ihr weitere Fragen habt zu diesem Thema, dann schreibt uns doch.

Wir freuen uns auf eure Kommentare.

1. Hesse A, Brändle E, Wilbert D et al. Study on the prevalence and incidence of urolithiasis in Germany comparing the years 1979 vs. 2000. Eur Urol 44: 709–713. 2003.

2. Hesse, Roger Stark und Albrecht. Harnstein-Nachsorge. Monheim : Hoyer-Madaus, 2000.

3. Siener, Roswitha. Mit den richtigen Getränken können Harnsteinrezidive verhindert werden. URO-NEWS. 20, 2016, Bd. 10.

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