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Mit Nahrungsergänzungen gegen Covid-19?

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Bereits seit einem halben Jahr bestimmt das Coronavirus SARS-CoV-2 unseren Alltag und wirft auch in der Ernährungsberatung viele Fragen auf. Jeder einzelne möchte sich und seine Lieben so gut es geht schützen und Nahrungsergänzungen zur Stärkung des Immunsystems sind gefragter denn je. Doch welche Empfehlungen sind wirklich sinnvoll und was ist schlichtweg Unsinn? Ich habe mir einige Empfehlungen angeschaut und sie für euch eingeordnet:

1. Hochdosiertes Vitamin C gegen Covid-19

Vitamin C ist ein für uns unentbehrlicher Nährstoff und sorgt beispielsweise für ein funktionierendes Immunsystem, verbessert die Eisenaufnahme und schützt die Zellen als Antioxidans vor oxidativem Stress. Da unser Stoffwechsel das Vitamin nicht selber bilden kann, müssen wir es täglich über unsere Ernährung aufnehmen.

Seit Beginn dieses Jahres laufen mehrere Studien, die die Wirksamkeit von hochdosiertem Vitamin C auf den Verlauf einer Covid-19 Erkrankung untersuchen. Die Ergebnisse stehen jedoch bislang noch aus, sodass noch keine wissenschaftlich fundierten Empfehlungen ausgesprochen werden.

Meine Empfehlung für euch: Lasst euch nicht verunsichern, durch unseriöse und reißerische Werbung für Vitamin C-angereicherte Lebensmittel. Stattdessen könnt ihr euren täglichen Bedarf sehr gut über natürliche Lebensmittel decken. Besonders Vitamin C-reich sind beispielsweise Paprika, Grünkohl, Kiwi und natürlich auch Zitronen und Orangen. Ihr wollt gerade in der Winterzeit zusätzlich auf Nahrungsergänzungen setzen? Dann bevorzugt Produkte mit natürlichem Vitamin C aus Fruchtextrakten wie der Acerolakirsche oder der heimischen Hagebutte, die ohne künstliche Zusatzstoffe auskommen. Bei einer ausgewogenen Ernährung mit frischem Obst und Gemüse sind dann auch keine Hochdosierungen notwendig.

2. Vitamin D gegen Covid-19

Wie zu Vitamin C, gibt es auch hier zahlreiche Empfehlungen und natürlich auch wieder Werbeversprechen. Allerdings sieht die Studienlage hier ein wenig anders aus. Zwar kann auch Vitamin D Covid-19 nicht heilen, aber es kann den Verlauf positiv beeinflussen, indem zwischen pro- und antientzündlichen Prozessen wieder eine Balance hergestellt wird. Bei einem Verdacht auf eine Infektion sollte daher der Vitamin D-Status überprüft und ein Defizit schnell behoben werden.

Meine Empfehlung für euch: Vitamin D übernimmt zahlreiche Aufgaben in unserem Stoffwechsel und aus den Daten der Nationalen Verzehrsstudie wissen wir, dass die Vitamin D-Versorgung hierzulande bei ca. 60 % der Bevölkerung nicht ausreichend ist. Aber statt nun einfach Vitamin D zu ergänzen, solltet ihr vorher euren Status bestimmen lassen (als optimal gelten Werte von 75 nmol /l). Liegen die Werte im Normalbereich, ist eine zusätzliche Aufnahme nicht notwenig. Sind die Werte hingegen zu niedrig, könnt ihr gezielt ergänzen und sicher sein, dass ihr keine Überdosierung und damit unerwünschte Nebenwirkungen riskiert.

3. Mit Spermidin gegen Covid-19

Spermidin kommt von Natur aus in allen Lebewesen vor und ist in zahlreichen Lebensmitteln (insbesondere in Weizenkeimen, gereiftem Käse, Pilzen und Hülsenfrüchten) enthalten. Studien haben gezeigt, dass Spermidin den Selbstreinigungsprozess der Zellen, die sogenannte Autophagie, anregt. Hierbei werden fehlerhafte oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile abgebaut und verwertet. Dieser Prozess wird bei infizierten Zellen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 gehemmt.

Daraus haben Forscher der Charité um Christian Drosten die Hypothese abgeleitet, dass die Virusausbreitung durch gezielte Aktivierung der Autophagie gehemmt werden könnte. Und tatsächlich: Im Reagenzglas konnte die Virusvermehrung in Affenzellen durch die Zugabe von Spermidin um 85 % gehemmt werden. Von Ergebnissen am Menschen sind wir jedoch noch weit entfernt, sodass es aus ernährungswissenschaftlicher Sicht auch hier noch keinen Anlass für entsprechende Ernährungsempfehlungen gibt.

3. Mein Fazit:

Aktuell gibt es keine wissenschaftliche Grundlage, nach der die Zufuhr von bestimmten Nährstoffen zum Schutz vor dem Coronavirus empfohlen werden sollte. Allerdings gibt es sehr gute Gründe, warum ihr während der Pandemie besonders hohen Wert auf eine ausgewogene Ernährung legen solltet. Denn: zu schweren COVID-19-Verläufen kommt es insbesondere bei Menschen mit Vorerkrankungen wie Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck oder Diabetes. Und genau diese Erkrankungen lassen sich durch eine ausgewogene, gesunde Ernährung vermeiden oder können mit Hilfe einer professionellen Ernährungstherapie verbessert werden.

Ihr habt Fragen? Dann schreibt uns einfach eine E-Mail an info@was-isst-du-denn.de. Und bis dahin passt gut auf euch auf und bleibt gesund :)

Quellen

1. Biesalski H.-K. (2020) Vitamin D deficiency and co-morbidities in COVID-19 patients – A fatal relationship? NFS Journal 20:10-21.

2. Madeo F, Eisenberg T, Pietrocola F, Kroemer G. (2018) Spermidine in health and disease. Science.26;359 (6374).

3. Gassen NC, Niemeyer D, Muth D, Corman VM, Martinelli  S, Gassen  A , Hafner  K , Papies  J, Mösbauer  K, Zellner A, Zannas  AS , Herrmann  A, Holsboer F, Brack-Werner R, Boshart M , Müller-Myhsok  B, Drosten  C, Müller  MA, Rein T. (2019) SKP2 attenuates autophagy through Beclin1-ubiquitination and its inhibition reduces MERS-Coronavirus infection. Nat.Commun. 10(1):5770.

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