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Wie gesund sind Deine Knochen?

In der Happy Bones Beitragsreihe kannst du dich über drei Schwerpunkte der Osteoporose informieren. Im Teil 1 geht es um Ursachen und im Teil 2 um Risikofaktoren. Präventive Maßnahmen werden im Teil 3 Lebensstilfaktoren vorgestellt.

Teil 1: Welche Ursachen gibt es?

Weltweit erleidet alle 3 Sekunden ein Mensch einen Knochenbruch. Grund Osteoporose. Laut WHO sind 200 Millionen von einer Osteoporose betroffen. Damit gehört Osteoporose zu den 10 Volkskrankheiten. In Deutschland gibt es zwischen 6 und 8 Millionen Betroffene, das sind jede 4. Frau und jeder 15. Mann über 50 Jahre. Zusammengefasst sind ein Viertel aller Deutschen über 50 Jahre an Osteoprorose erkrankt.

Was bedeutet Osteoporose?

„Osteoporose ist eine Erkrankung des Skelettsystems, die mit einem Verlust bzw. Verminderung von Knochensubstanz und Knochenstruktur einhergeht und infolge dessen zu einer erhöhten Anfälligkeit für Knochenbrüche führt. Übersetzt wird Osteoporose mit „Knochenschwund“ oder „poröse Knochen“. (WHO)

Wie funktioniert der Knochenstoffwechsel?

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung. Damit ist gemeint, dass der ganze Organismus betroffen ist. Das menschliche Skelett besteht aus über 200 Knochen und hat 4 Hauptaufgaben:

  • den Körper zu stützen,

  • die Organe zu schützen,

  • als Mineralstoffspeicher und

  • als Ort der Blutbildung (Knochenmark) zu fungieren.

Bestandteile des Knochens sind Wasser, Kollagen, Calcium, Phosphate, Magnesium und Proteine. 99% des körpereigenen Calciums befindet sich im Knochen. Das Skelett ist kein starres Gebilde, sondern ist wie ein Haus, in dem ständig umgebaut wird. Eingebettet sind die Mineralstoffe in die Knochenmatrix, ein Verbund aus Kollagen und Proteinen. 8% der Knochenmasse werden pro Jahr umgebaut. Am An -und Abbau von Knochengewebe sind drei Zellarten beteiligt: Osteoblasten, Osteozyten und Osteoklasten. Während die Osteoklasten für den Abbau der Knochensubstanz zuständig sind, sorgen die Osteoblasten für den Knochenaufbau. Aus den Osteoblasten entwickeln sich die reifen Knochenzellen, Osteozyten. Sie werden in die Knochenmatrix eingebettet und stellen den zahlenmäßigen Hauptanteil der Knochenzellen dar.

Der Knochenstoffwechsel wird getaktet durch ein Zusammenspiel aus Hormonen der Schilddrüse und Nebenschilddrüse sowie der Sexualhormone Östrogen und Testosteron. Die Schilddrüsenhormone, Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), unterstützen die Calciumresorption oder Ausscheidung über Nieren und Darm und geben den Rhythmus des Knochenstoffwechsels vor. Bei Calciummangel sorgt das Parathormon der Nebenschilddrüse dafür, dass Calcium aus dem Knochen freigesetzt wird. Der Gegenspieler aus der Schilddrüse Calcitonin hemmt den Knochenabbau. Östrogen und Testosteron fördern die Calciumaufnahme und sorgen mit Hilfe von Vitamin D für den Einbau von Calcium in den Knochen. Auch Vitamin K spielt eine aktive Rolle im Knochenstoffwechsel, wie bei der Bildung vom Knochenprotein, dem Osteocalcin. Osteocalcin ist auch ein Bestandteil der Knochenmatrix. Die Flexibilität der Knochen entsteht durch den netzförmigen Einbau von Knochenzellen in die Knochenmatrix, die aus Wasser, Kollagen und Glykoproteinen besteht. Bei einer Osteoporose ist das Gleichgewicht des Knochenstoffwechsels gestört und führt zu einer geringen Knochendichte und gestörten Mikroarchitektur. (Anordnung der einzelnen Knochen in einem dreidimensionalen Gerüst). Folge ist eine erhöhte Knochenbrüchigkeit.

Wann ist die Knochenmasse am höchsten?

Zwischen dem 30 und 35 Lebensjahr erreicht die Knochenmasse ihr Maximum (Peak Bone Mass). Diese ist abhängig von 4 Faktoren:

  • Genetik,

  • Hormone,

  • Ernährung und

  • Bewegung.

Nachdem die maximale Knochendichte erreicht ist, kommt es anschließend unabhängig vom Geschlecht zu einem Knochenabbau in der Höhe von 0,5 bis 1% pro Jahr.

Wie entsteht eine Osteoporose?

Eine Ursache für Osteoporose sind hormonelle Veränderungen bei steigendem Alter. In mittleren Jahren sind davon hauptsächlich Frauen betroffen. Bei Frauen sinkt die Östrogenproduktion der Eierstöcke in den Wechseljahren. In Deutschland lieg der Eintritt in die Menopause bei durchschnittliche 51 Jahren. Warum stellt ein sinkender Östrogenspiegel ein Problem dar? Östrogen ist ein Schutzhormon. Es unterstützt die Aufnahmen von Calcium und hemmt die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten). Es steigert die Durchblutung der Knochen und verbessert die Bewegungskoordination. Hervorgerufen durch den sinkenden Östrogenspiegel in den Wechseljahren wird weniger Knochenmasse aufgebaut als abgebaut. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht. Dies führt zu Knochenschwund und zu zerbrechlichen Knochen. Aufgrund des Östrogendefizits verlieren Frauen in den Wechseljahren bis zu 4% der Knochenmasse pro Jahr. Bis zum 70 Lebensjahr kann es bis zu einem Knochenschwund von 40% kommen. Je besser die Ausgangslagemit hoher Knochendichte in jungen Jahren ist, um so vorteilhafter ist es eine Osteoporose im Alter zu verhindern. Sicherlich ein wichtiger Punkt, wenn Frau weiß, dass 30% der postmenopausalen Frauen in Deutschland von Osteoporose betroffen sind. Männer sind erst in einem höheren Alter davon betroffen, da sie mehr Knochenmasse haben und der Testosteronspiegel viel langsamer sinkt als der Östrogenspiegel bei Frauen. Aber auch Erkrankungen oder Langzeiteinnahme bestimmter Medikamente können einen Knochenschwund hervorrufen.

Wie erkenne ich eine Osteoporose?

Der Knochenschwund kommt schleichend und bleibt lange unbemerkt. Wie Diebe, die über Jahre heimlich nachts Zement und Bausteine von der Baustelle klauen. Über viele Jahre fällt es nicht auf, bis das Haus instabil wird und die ersten tragenden Wände einstürzen. Der Materialklau heißt beim Menschen Demineralisation und Knochenschwund und die Folgen sind anhand dieser Symptome erkennbar: Rückenschmerzen, beginnender Rundrücken, verstärktes Sodbrennen durch Wirbelkörperfrakturen, Verringerung der Körpergröße, Zahnausfall, Spontanbrüche, Oberschenkelhalsbruch, Stürze, Tannenbaumphänomen (Hautfalten am Rücken in Form eines Tannenbaums), Koordinationsprobleme und Bewegungsmangel. Unsicherheit beim Laufen und sinkende Mobilität erhöhen das Sturzrisiko. 350.000 bis 700.000 Menschen erleiden jedes Jahr einen Knochenbruch durch Osteoporose in Deutschland. Dazu zählen auch Ermüdungsbrüche, die auch bei Leistungssportlern, wie z. B. bei Fußballern und Marathonläufern auftreten können.

Mit welcher Methode wird sie diagnostiziert?

Nach einer ausführlichen Untersuchung beim Arzt gibt es die Möglichkeit einer Knochendichtemessung auf Grundlage eines DXA-T-Scores (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry). Hier wird der Mineralgehalt der Knochen am Lendenwirbel und/oder Oberschenkelhalsknochen gemessen und mit den Standardwerten einer 30-jährigen gesunden Person des gleichen Geschlechts verglichen.

Folgende diagnostische Kriterien nach der WHO gibt es:

T-Score

  • >-1 bedeutet normale Knochendichte

  • -1 bis -2,5 bedeutet Osteopenie (geringe Knochenmasse)

  • <-2,5 bedeutet Osteoporose

  • <-2,5 mit Fraktur bedeutet manifeste Osteoporose

Gibt es verschiedene Formen?

1. primäre Osteoporose

Die häufigste Form mit 95% ist die primäre Osteoporose. Hier liegt keine Grunderkrankung vor.

a) Juveniler Typ 1: Hormonell bedingt:

Frauen zwischen 50 und 70 Jahren in der postmenopausalen Phase. Postmenopause beginnt 1 Jahr nach der letzten Regelblutung und ist die letzte Phase der Wechseljahre. In Deutschland sind ca. 30% der Frauen nach der Menopause von Osteoporose betroffen. Jede zweite Frau erleidet eine Fraktur

b) seniler Typ2: Altersbedingt:

Frauen und Männer ab 70 Jahre.

Es sind doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen. Der Testosteronspiegel bei Männern sinkt langsamer als der Östrogenspiegel bei Frauen in den Wechseljahren. Deswegen sind Männer erst im höheren Alter betroffen. Beide Hormone, Östrogene und Testosteron sind als Aufbauhormone wichtig für den Knochenstoffwechsel.

c) Idiopathische Juvenile Osteoporose:

Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 14 Jahren. Ein vorübergehender Knochenschwund über den Zeitraum von 3 bis 4 Jahren. Macht sich bemerkbar durch Knochenschmerzen, Muskelschmerzen und Gehstörungen. Ursache ist häufig unbekannt. Auslöser können Vitamin D- und/oder Calciummangel sein. Diese Sonderform der Osteoporose ist meist temporär.

2 Sekundäre Osteoporose

Ursache liegt in Erkrankungen und der Einnahme von Medikamenten:

A Erkrankungen:

  • ■ Diabetes mellitus Typ 1 und 2 – Grund: verminderte Knochenumbaurate,

  • ■ Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) - Grund: erhöhter Knochenstoffwechsel,

  • ■ Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) – Grund: Anstieg des Parathormons, das zu einem gesteigerten Knochenabbau führt. Folge sind die verminderte Calciumausscheidung über die Nieren und gesteigerte Resorption von Calcium aus dem Darm. Das ist erkennbar an einem erhöhten Calciumspiegel im Blut.

  • ■ rheumatische Erkrankungen (Beispiel rheumatoide Arthritis) - Grund: durch Entzündungsprozesse werden die knochenabbauenden Zellen unterstützt.

  • ■ gastroenterologische Erkrankung (z.B. Zöliakie) - Grund: Verminderte Aufnahme von Calcium und Vitamin D und Stimulierung der Osteoklasten.

  • ■ entzündliche Darmerkrankungen, z.B. Colitis ulcerosa – Grund: Entzündungen können den Knochenabbau fördern und vermindern die Aufnahme von Nährstoffen.

  • ■ Magersucht (Anorexia nervosa) – Grund: Mangelernährung und niedriger Östrogenspiegel,

  • ■ bariatrische Operationen - Grund: Abnahme der Knochendichte nach der OP. Ist noch nicht ganz geklärt.

  • ■ Asthma – Grund: dauerhafte Cortisontherapie über 6 Monate, da Cortison die Aufnahme von Calcium im Darm mindert und die Funktion der Osteoblasten senkt.

  • ■ neurologische Erkrankungen (z.B. Epilepsie) - Grund: Medikamente

B Medikamente

  • ■ Glucocorticoide: Therapie mit Cortison,

  • ■ Schilddrüsenhormone: z.B. Überdosierung von Schilddrüsenhormonen bei einer Schilddrüsenunterfunktion, da der Bedarf daran im Alter häufig abnimmt.

  • ■ Neurologischen Medikamente und Psychopharmaka, wie z.B. enzyminduzierte Antiepileptika führen zu einer reduzierten Knochenmasse, da sie Einfluß auf den Vitamin-D-Stoffwechsel nehmen. Das Frakturrisiko wird dadurch erhöht.

  • ■ Hormonersatztherapie nach Prostatakrebs und Aromatasehemmer nach Brustkrebs,

  • ■ Glitazone zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2,

  • ■ Magensäureblocker – Protonenpumpeninhibitoren (PPI) verhindern die Freisetzung von Magensäure. Magensäure wird benötigt um Calcium aus der Nahrung freizusetzen, um dann die Darmwand passieren zu können.

Die häufigste sekundäre Form entsteht durch die Langzeitbehandlung mit Cortison. Bei einer Cortisontherapie über 12 Monate kann die Knochendichte durchschnittlich um 15% bis 27% sinken. Hervorgerufen wird das durch den hemmenden Einfluss auf die Osteoblasten und die Stimulierung der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten).

Welche Risikofaktoren eine Osteoporose begünstigen können, findest Du im Teil 2.

Im Einklang mit deiner Ernährung.

Christine Güngerich-Hauk

23.8.21

Quellenverzeichnis:

https://fet-ev.eu/produkt/osteoporose-krankheitsbild/

https://www.osteoporose-deutschland.de/osteoporose/ursachen-und-risikofaktoren/

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191018_OTS0007/iof-weltweit-alle-3-sekunden-eine-fraktur-das-ist-osteoporose-foto

https://www.osteoporosezentrum.de/folgen-der-osteoporose-knochenbrueche-wirbeleinbruch-wirbelkoerperbrueche-oberschenkelhalsbruch-schenkelhalsbruch/

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (Hrsg.): DGE Beratungsstandards: Kapitel 4.4.2 Osteoporose, 1.Auflage 2020

https://www.osteoporose-deutschland.de/osteoporose/daten-und-fakten/

https://www.osd-ev.org/osteoporose/bni/was-ist-knochenqualitaet/

https://www.mta-dialog.de/artikel/osteoporose-weltweit-alle-3-sekunden-eine-fraktur.html

https://www.dge.de/presse/pm/starke-knochen-ein-leben-lang/

https://www.rosenfluh.ch/psychiatrie-neurologie-2012-04/medikamente-und-epilepsie-antiepileptika-und-die-gefahr-von-osteoporose

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2004/daz-38-2004/uid-12620 Osteoporose_und_Zoeliakie.pdf

Smollich, Martin (Hrsg.): Ernährungspraxis Frauen und Männer. Beratungswissen kompakt. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1. Aufl. 2020

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Osteoporose-Knochenschwund-frueh-erkennen-und-behandeln,osteoporose198.html

Bildquelle:

Canva https://www.canva.com/media/MAEJGbtQIHQ: bmx granny https://www.canva.com/p/gettysignature/

Risikofaktoren